Berlin trifft Lyon – Austausch als Erlebnis zwischen Kunst, Geschichte und Begegnung

Am 22. Januar, dem Deutsch-Französischen Tag, reisten 16 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Georg-Herwegh-Gymnasiums nach Lyon und wurden dort herzlich am Lycée Récamier empfangen. Eine Woche lang tauchten sie in das französische Alltagsleben ein – nicht als Touristinnen und Touristen, sondern als Gäste in französischen Familien, als Schülerinnen und Schüler im Unterricht und als Partnerinnen und Partner im Austausch. Nach einem typisch französischen Frühstück in der Schule kamen die Jugendlichen bei einer Sprachanimation schnell miteinander in Kontakt. Nach anfänglicher Zurückhaltung verschwanden die ersten Sprachhemmungen durch Spiele und gemeinsame Aufgaben rasch. Die Verständigung klappte auf allen Ebenen.


Im Laufe der Woche verbrachten die Schülerinnen und Schüler viel Zeit mit ihren Austauschpartnerinnen und -partnern. Sie begleiteten sie in den Unterricht, lernten den französischen Schulalltag kennen und erfuhren die Unterschiede zwischen dem französischen und dem deutschen Schulsystem.
Ein gemeinsamer Projekttag führte die deutsch-französische Gruppe durch Lyon auf die Spuren der Street Art. Im Musée urbain Tony Garnier lernten sie die sozialen Visionen des Lyoner Architekten kennen, der durch Stadtplanung das Zusammenleben verbessern wollte.
Anschließend erkundeten sie in gemischten Teams weitere Wandbilder in der Stadt. Die Ergebnisse präsentierten sie später zweisprachig auf kreative Art und Weise. Hier zeigte sich, wie selbstverständlich die Schülerinnen und Schüler in der Lage waren, zwischen Deutsch und Französisch zu wechseln. Ein bewegender Moment war ein Workshop des Goethe Instituts zur Erinnerungskultur. Die Gruppe lernte die Architekten des Shoah-Mahnmals „Les Rails de la mémoire“ kennen und erfuhr durch den Bericht eines Zeitzeugen mehr über die Geschichte Lyons während der NS-Zeit.

Auch Kunst und Kultur spielten während unseres Aufenthaltes in Lyon eine große Rolle. Neben zahlreichen Spaziergängen durch die historisch reiche Stadt erlebten die Jugendlichen in der Opéra ein beeindruckendes Gebäude, das Tradition und Moderne verbindet. Bei einer Tanzaufführung im „Maison de la Danse“ entdeckten sie zeitgenössischen Tanz. Besonders viel Freude bereitete ihnen jedoch die eigene Tanzstunde in der Schule: Gemeinsam mit ihren französischen Partnerinnen und Partnern studierten sie historische Tänze aus der Zeit Ludwigs XIV. ein. Hier wurde viel gelacht, ausprobiert und ganz nebenbei Französisch gesprochen.

Am Ende der Woche nahmen die Schülerinnen und Schüler nicht nur neues sprachliches und kulturelles Wissen mit nach Hause, sondern vor allem persönliche Erfahrungen: das Leben in einer Gastfamilie, authentische Gespräche auf Französisch, neue Freundschaften und das Gefühl, Teil einer anderen Kultur gewesen zu sein.

Nun freuen wir uns darauf, die französischen Gäste im März in Berlin willkommen zu heißen und den Austausch gemeinsam fortzusetzen.
Sandra Wittner und Edda Zillmann